Augsburger Allgemeine, 04. Mai 2015

Mit Charme in die Welt der Zwanzigerjahre entführt

Das „Ensemble Six“ präsentierte sein neues Programm harmonisch, originell, einfallsreich – Extraklasse Von Horst von Weitershausen

Originale sollten und können eigentlich nicht kopiert werden, weshalb auch das „Ensemble Six“ im Programm über sein nunmehr schon drittes Gastspiel im Dillinger Stadtsaal schreibt „In Erinnerung an die Comedian Harmonists“.

Dieses in „Erinnerung rufen“ gelang den fünf Sängern um Klavierspieler Tobias Deutschmann wieder einmal hervorragend. Kopiert wird hier nichts, doch eine aufrichtige und glaubwürdige Hommage an die Comedian Harmonists, das ist der Auftritt der drei Tenöre mit Bariton und Bass in Frack und Lackschuhen zweifellos. So krächzt zum Konzertbeginn aus einem im Scheinwerferlicht stehenden Grammophon in Schellack Sound ein Song der „Comedian Harmonists“, in den das „Ensemble Six“ problemlos einsteigt und die alten Herren schnell vergessen lässt. Das anschließende „Veronika der Lenz ist da“ vermittelt dem Publikum im Stadtsaal den Geist der 1930er Jahre mit der Absicht, den Witz dieser Zeit auch noch im Heute wirken zu lassen.

Charmant in die Gegenwart gerückt und

gekonnt intoniert auch „Die Schuldenkrise in Athen“ zur Melodie von „Wochenend und Sonnenschein“ mit einem anschließend

augenzwinkernd harmonisch inszeniertem „Ich brauche keine Millionen“. Das Publikum im Stadtsaal hatte verstanden und atmete beinahe jeden dieser authentischen, ehrlichen alten Schlager ein, um sie dann in den kurzen Zwischenpausen frenetisch zu bejubeln. Mit charmant kurzen Ansagen stellten die Sänger abwechselnd mal mehr oder weniger bekannte Schlager vor, die sie mit nur wenigen Accessoires wirkungsvoll illustrierten.

Pantomimisch und gesanglich dabei hervorragend gespielt die Illusion einer Liebe „Hauptpostlagernd“. Da reicht ein Propeller für „Flieger, grüß‘ mir die Sonne“ und drei kleine Hocker illustrieren pantomimisch eine Autofahrt ins Grüne. Kurz vor der Pause sorgte einer der Männer im Frack dafür, dass sich das Publikum zum Lied „Bobby und Lisa tanzen Tango auf dem Schiefen Turm von Pisa“ auf Handzeichen freudig in Schieflage begab und danach mit dem Evergreen „Ich wollt ich wär ein

Huhn“ der erste Konzertteil amüsant beendet wurde.

Im zweiten Konzertteil widmete sich das „Ensemble Six“mit den Tenören Jan Kuschel, Andreas Wellen und André Neppel, dem Bariton Karsten Lehl und Bass Thomas Schobert sowie Klavierspieler Tobias Deutschmann auch anderen Vokalformationen dieser Zeit.

Gewandet in die neueste Mode von 1934 versetzten Pianist und Sänger die Konzertbesucher wieder zurück in die Atmosphäre einer Zeit, die so ganz anders scheint, doch letztendlich der heutigen doch sehr ähnlich ist. „So trafen dann auch die Lieder „Alibaba in Madagaskar“ und „Ich weiss nicht was soll es bedeuten“ einmal mehr die Seelen der Konzertbesucher, gefolgt von dem komödiantischen „Kannst du pfeifen Johanna“ bis hin zur „Schönen Isabella aus Kastilien“.

Standing Ovations der Besucher im Dillinger Stadsaal. Doch ein Lied, der Klassiker schlechthin fehlte noch. So erklang „Mein kleiner grüner Kaktus“ als zweite oder dritte Zugabe dieses Abends und bildete den krönenden Abschluss. Kompliment auch den Veranstaltern.